Emmi Pikler, Anna Tardos

Lasst mir Zeit

Die selbstständige Bewegungsentwicklung des Kindes bis zum freien Gehen. Handbuch für Eltern, Erzieherinnen & Kinderärzte. Pikler-Pädagogik: der Klassiker der Entwicklungspädagogik.

5. überarbeitete Auflage 2018

Zusammengestellt und überarbeitet von Anna Tardos

Vertrauen, Liebe und Geduld sind der beste Weg, kleine Kinder zu fördern!

Was geschieht, wenn Eltern, Erzieher und Kinderpfleger sich nicht in die Bewegungsentwicklung von Säuglingen und Kleinkindern einmischen? Werden sie alleine Krabbeln, Sitzen, Laufen lernen? Diese Fragen stellte sich die ungarische Kinderärztin und Kleinkind-Pädagogin Emmi Pikler. Jahrzehntelang beobachtete sie die Kinder während ihrer praktischen Arbeit und entwickelte daraus ihre pädagogische Methode.

Ihre Erkenntnisse stellt sie in ihrem Buch „Lasst mir Zeit“ vor. Der 1969 erstmals erschienene Ratgeber hat sich über mehrere Auflagen zu einem Klassiker der Entwicklungspädagogik entwickelt. Anna Tardos, Kinderpsychologin und Emmi Piklers Tochter, hat das Standardwerk gründlich nach den neusten medizinischen Kenntnissen überarbeitet.

– Das Grundlagenwerk der Kleinkindpädagogik: so verläuft die motorische Entwicklung
– Kopf halten, Drehen, Krabbeln, Gehen: wie Säuglinge und Kleinkinder lernen
– Respekt vor der Eigeninitiative des Kindes und Unterstützung seiner Selbstständigkeit
– Fallbeispiel Tibi und Attila: Fotoserien zeigen den Entwicklungsverlauf eines Babys
– Neuauflage im modernen, frischem Layout für Eltern, Pädagogen & medizinisches Fachpersonal

Begleiten und unterstützen, aber nicht eingreifen: Kinder entwickeln sich selbstständig

Viele Eltern haben Bedenken, wenn ihre Babys und Kleinkinder motorische Fähigkeiten nicht zu einem gewissen Zeitpunkt zeigen. Völlig unnötig, denn von Geburt an verfügen Kinder über bestimmte Anlagen und ein gewisses Maß an Selbstständigkeit. Babys sind keineswegs hilflos oder abhängig – wenn man sie selbst das Tempo der Bewegungsentwicklung vorgeben lässt.

Emmi Pikler ermutigt mit ihrem Handbuch, Kinder mit Liebe und Vertrauen dabei zu unterstützen, ihre motorischen Fähigkeiten im eigenen Tempo zu entwickeln. Anhand sehr anschaulicher Beispiele und vieler Fotos gibt ihr Buch eine Fülle von Anregungen dazu.

250 Seiten mit ca. 160 farbigen Abbildungen, Softcover
ISBN 978-3-7905-1068-3

Leserkreis

Dieses Buch richtet sich an

  • Eltern
  • Erzieher
  • Pädagogen
  • Physiotherapeuten
  • Ergotherapeuten
  • Hebammen und
  • Kinderärzte.

Das Kind anregen zu müssen, das glauben wir nur, weil wir zu wenig Ahnung davon haben, was jeder Mensch an Entfaltungsmöglichkeiten mit auf die Welt bringt.

Jacoby, 1981

Emmi Pikler hat aus ihrer Grundhaltung der Achtung und Rücksichtnahme dem Kind gegenüber Anregungen für den Umgang mit dem uns anvertrauten kleinen Menschen gegeben, die weit über Fragen der Bewegungsentwicklung hinausgehen.

Ute Strub, 1988

Die Erfahrungen von Emmi Pikler können uns Krankengymnasten, aber auch Kinderärzte und Eltern ermutigen, immer mehr den selbstständigen Bewegungsfähigkeiten des Kindes zu vertrauen und uns dabei helfen, diese angemessen zu begleiten.

Monika Aly, 1988

Leseprobe

Die Autorin

Emmi Pikler

Als Hausärztin konnte sie die Eltern, die sich von ihr beraten ließen, dafür gewinnen, die selbstständige Aktivität ihrer Kinder von Geburt an überhaupt erst einmal wahrzunehmen, sich an ihr zu freuen und ihnen die entsprechende Umgebung dafür zu schaffen. Sie half den Müttern, auch die leisen Zeichen und Regungen zu verstehen, mit denen schon ein Neugeborenes, bevor es schreit, seine Empfindungen äußert. Sie lenkte die Aufmerksamkeit der Eltern auf ein bei Kindern und Kranken leicht übersehenes Grundrecht des Menschen, das darin besteht, sich mit ihm über das, was mit ihm geschieht, zu verständigen. Das heißt beim Säugling, ihn mit Worten und behutsamen Bewegungen auf die nächste Handlung vorzubereiten. Dadurch kann er sich allmählich orientieren und die Mutter immer besser verstehen, während sie ihn versorgt. Auch wenn er noch zappelt und strampelt, achtet er aufmerksam auf alle Vorgänge der Pflege und freut sich, mitzuhelfen. Selbst wenn er später beim Wickeln nicht mehr auf dem Rücken liegen bleibt und sich eigenwillig und seinem Entwicklungsniveau entsprechend bewegt, stört das nicht ihr Zusammensein und die gute Beziehung. Sie ist für Emmi Pikler eine Grundbedingung der eigengesetzlichen Bewegungsentwicklung des Kindes.

Die Pflege des Säuglings, mit ihren sich wiederholenden Handlungen, erschien ihr zur Ausbildung einer tragfähigen Beziehung zwischen Eltern und Kind geeigneter als das gemeinsame Spiel. Bei der täglich mehrmals notwendigen Pflege lernt das Kind zudem etwas, was es nur vom Erwachsenen lernen kann, denn für ein freundliches und rücksichtsvolles Verhalten braucht es ein Vorbild. Sich zu bewegen und zu spielen hingegen lernen Säuglinge und Kleinkinder auch ohne unsere unmittelbare Hilfe und Anregung, das hatten ihre Beobachtungen in den Familien erwiesen.

Emmi Pikler vertraute darauf, dass ihre langjährigen Erfahrungen sich auch in Verhältnissen bewähren würden, in denen sich Säuglinge bis dahin kaum normal entwickeln konnten. 1946 gründete sie, im Wissen um die Voraussetzungen einer kindgemäßen Entwicklung, ein Säuglingsheim in Budapest in der Loczystraße, das dann als Loczy bekannt geworden ist. Sie hat es 33 Jahre lang geleitet und von Anfang an verstanden – unter anderem durch die Auswahl und sorgfältige Anleitung der Pflegerinnen – eine Atmosphäre der Geborgenheit zu schaffen, in der Säuglinge ohne die üblichen Anstaltsschäden aufwachsen.

Emmi Pikler hatte sich einer Aufgabe angenommen, deren Dringlichkeit bis dahin nur vereinzelt gesehen worden war. 1931 hatte Elfriede Hengstenberg aufgrund der Erkenntnisse Eisa Gindlers und Heinrich Jacobys darauf hingewiesen, wie notwendig es sei, die naturgegebenen Gesetzmäßigkeiten der kindlichen Entwicklung zu erforschen, um dem Kind seine ursprünglichen Fähigkeiten und Kräfte zu erhalten (HENGSTENBERG, 1931).

Pressespiegel

Pressemeldung zur Veröffentlichung

presseportal.de

In den Medien

2019, Wikipedia: Das ist Emmi Pikler – biografische Eckdaten